Begleiten, stärken, weitergeben.
Wir saßen in einem Klassenraum und warteten auf die Kandidatinnen und Kandidaten für unseren Lehrgang zur Betreuungsperson in unseren Wohnheimen. An diesem Tag trat Mia* ein. Sie begegnete uns höflich, zugewandt und klug. Schnell wurde deutlich, welches Potenzial in ihr steckt. Umso mehr erstaunte es uns, dass sie nach ihrem Studienabschluss zwei Jahre lang keiner bezahlten Arbeit nachgegangen war, sondern zu Hause ihre Neffen und Nichten betreut hatte. Nach einem erfolgreichen Lehrgang stellten wir sie ein. Sie übertraf unsere Erwartungen, wir konnten sie weiter begleiten und fördern.
Was ihr lange gefehlt hatte, waren Menschen, die ihr Vertrauen schenken und die ihr zutrauen, Verantwortung zu übernehmen.
Schritt für Schritt wuchs sie in ihre neue Rolle hinein. Anfang dieses Jahres übernahm sie die Leitung eines Wohnheims mit sechs Studierenden. Die Aufregung war groß, alte Selbstzweifel meldeten sich zurück. Ich teilte meine Beobachtungen mit Ina, die seit Januar Teil des Leitungsteams ist. Ohne zu zögern suchte sie das persönliche, ehrliche Gespräch mit Mia. Kein Druck, keine großen Worte, sondern echtes Interesse. Das gab Mia neue Sicherheit.
Ina war selbst drei Jahre lang begleitet worden. Ich durfte ihr Vertrauen zusprechen, das sie zuvor kaum erfahren hatte, und in aller Unvollkommenheit ein verlässliches Gegenüber sein. Viele Menschen lernen weniger durch abstrakte Erklärungen als durch gelebtes Vorbild. Einige Wochen später, an einem Sonntag, folgte Via* im Gottesdienst dem Aufruf, ihr Leben Jesus anzuvertrauen. Seit August lebt sie im Wohnheim – begleitet von Mia.
Solche Momente sind kostbar. Doch diese drei Frauen zeigen mir: Es geht nicht nur um einen einzelnen Schritt des Glaubens. Es geht darum, wie Vertrauen weitergegeben wird: Ina stärkt Mia. Mia begleitet Via. So wächst Verantwortung, so entsteht Jüngerschaft – oft leise und unspektakulär. Unsere Aufgabe ist es, treu zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass Gott in all dem wirkt.
