Auf Vergebung angewiesen
An unserer Schule geht eine Ära zu Ende: Unser langjähriger Schulleiter Christian Bigalke kehrt nach acht Jahren mit seiner Familie nach Deutschland zurück. Matthias Rehder übernimmt seinen Posten als Schulleiter (director general); Jonathan wird ihn dabei als pädagogischer Leiter (director pedagógico) unterstützen. Das wird für alle einen großen Umbruch darstellen, insbesondere für das Lehrerkollegium.
Christian hat die Schule von Anfang an geleitet und den Leitungsposten entsprechend geprägt. Matthias und Jonathan unterscheiden sich allein schon von ihrem Typus davon. Da werden Änderungen mit Sicherheit stärker wahrgenommen, als sie tatsächlich sind. Auch Fehler werden unterlaufen; und wo Fehler passieren, ist Vergebung gefragt. Ohne Vergebung werden viel zu schnell Schlussstriche gezogen und zu wenig modifiziert oder auch mal Neuanfänge gewagt.
Fehler zugeben, um zu vergeben
Bitterkeit und Verstocktheit unter Kollegen haben leider schon dazu geführt, dass die Zusammenarbeit gehemmt wurde oder sogar zum Erliegen gekommen ist. Vergebung hingegen ermöglicht persönliche Entwicklung und Fortschritt. Beispielsweise wurde eine Kollegin vom Team als kritikunfähig erlebt. Es gab immer wieder Probleme, bis es unter Tränen zu einem klärenden Gespräch kam. Fehler wurden zugegeben, Vergebung ausgesprochen und das Arbeiten im Team war danach ein ganz anderes.
Ein erster Schritt ist oft die Erkenntnis der eigenen Schuld und die Bitte um Vergebung. Zu Beginn der Pandemie 2020 waren wir als Lehrer doch recht gestresst. Wir mussten uns erheblich umstellen und erwarteten das auch von unseren Schülern.
Beziehungen wiederherstellen
Einmal mussten die Schüler eine Arbeit abgeben, aber Jonathan erhielt nur von wenigen Schülern das Geforderte. Seinen Ärger darüber brachte er den Schülern gegenüber zum Ausdruck. Es stellte sich heraus, dass ein Kollege die Arbeiten falsch zugeordnet hatte. Was sollte er tun? In einer Schamkultur wie der in den peruanischen Anden gibt man ungern Fehler zu. Aber die Bitte um Entschuldigung verbesserte die Beziehung zwischen Schülern und Lehrer. Vergebung ist oft notwendig und bringt immer etwas.
