Auf der Straße bei minus 25 Grad

Wir sind über zwei Stunden in den Norden gefahren, um eine befreundete Familie zu besuchen. Dort gibt es seit einigen Monaten jede Woche einen „Outreach“. Zwei Gemeindeglieder gehen nach dem Gemeindegebet durch die Straßen der Stadt, um mit Menschen über Gott ins Gespräch zu kommen.

Seitdem ich davon gehört habe, verspüre ich das innere Verlangen, mitzugehen und meinen Freund mitzunehmen. So machen mein Freund und ich uns auf den Weg zur Gemeinde. Es ist 21 Uhr. Die Außentemperatur liegt bei weit unter minus 20 Grad. Zum ersten Mal in Kanada bedecke ich mein Gesicht.

Wir gehen mit den beiden anderen los, ziehen in der Dunkelheit durch die Hauptstraße der kleinen Stadt, vorbei an Cannabisshops und Kneipen. Es sind noch erstaunlich viele Menschen unterwegs – nicht nur wohnungslose Menschen.

Zuerst begegnen wir einem jungen Mann, für den im Gemeindegebet gebetet worden war. Das berührt uns. Die anderen reden mit ihm. Sie fragen, ob sie für ihn beten dürfen. Er bejaht. Seine Begleitung geht weiter.

„Wir gehen im Gespräch nur so weit, wie unser Gegenüber es möchte, und respektieren persönliche Grenzen.“

Das sagt einer der beiden Leiter des Straßeneinsatzes. Wir gehen weiter und sprechen mit einem wohnungslosen Mann. Mein Freund kennt ihn von früher, als er im selben Ort wohnte. Sofort ist eine Beziehung da. Nach einem kurzen Gespräch und einem Gebet gehen wir weiter.

Vor einer Bar bleiben wir stehen. Die beiden Leiter sind hier schon bekannt und können sofort an frühere Begegnungen anknüpfen. Dann passiert das Besondere an diesem Abend: Eine junge indigene Frau tritt aus der Bar nach draußen, und wir kommen ins Gespräch. Sie erkennt meinen Freund wieder und fällt ihm um den Hals.

Nun folgt eine lange Unterhaltung über frühere Zeiten in der Gemeindejugend, in der mein Freund damals Mitarbeiter war. Für die junge Frau waren diese Zeit und besonders mein Freund prägend. Sie erzählt von schweren Erfahrungen in den vergangenen Jahren und von ihrer Verzweiflung. Das Gespräch ist tief und scheint sehr nötig zu sein. Die junge Frau ist berührt und weint.

Sie hat derzeit keine eigene Bleibe, sondern kommt mal hier und mal dort unter. In den letzten Jahren ist ihre Situation immer schwieriger geworden. Sie sagt, dass sie Gottes Hilfe nicht mehr erkennen konnte und sich deshalb anderswo nach Hilfe ausgestreckt hat. Sie ist am Boden und braucht Unterstützung. Mein Freund hört zu und möchte helfen.

Für Sonntag nimmt sie sich vor, nach langer Zeit wieder in den Gottesdienst zu kommen und meinem Freund ihre Kinder vorzustellen. Das bewegt uns sehr.
Der Gott der Bibel sieht Menschen, die andere leicht übersehen. Er hat Interesse an jedem Einzelnen.

Gebetsanliegen

  • Betet für Heilung, Trost und neue Hoffnung für die junge Frau.
  • Betet für diesen und weitere Straßeneinsätze in Kanada.
  • Betet für offene Herzen und gute, respektvolle Begegnungen.
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Hinweis: Die Beiträge von Missionaren sind persönliche Zeilen und geben nicht notwendigerweise die Meinung der VDM wieder.

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