Auf der Durchreise in der Wüste
Wenn man von Weihnachten spricht, denkt man selten an die 130 km, die Maria und Josef von Nazareth nach Bethlehem wandern, und an die fremde Umgebung, in der sie sich zurechtfinden mussten, und das noch kurz vor der Geburt. Fast alle Mitglieder unserer jungen internationalen Gemeinde sind auf der Durchreise. Sie haben sich für ein Stipendium im Ausland beworben, weil sie in ihren – meist afrikanischen – Heimatländern keine Zukunftsperspektive haben, und sind ohne ihr Zutun jetzt gelandet in einem muslimischen Land Nordafrikas und dann auch noch in einer Wüstenstadt fernab von allen Großstadtaktivitäten: Mit dem Bus wurden sie auf einer 12-stündigen Fahrt durch die Wüste in unsere Stadt gebracht und dann in einem Internatszimmer untergebracht. Dort müssen sie sich erst einmal allein zurechtfinden. In dieser Hinsicht geht es ihnen besser als Maria und Josef – sie haben zumindest eine Unterkunft, auch wenn sie für ihre Verpflegung selbst sorgen müssen.
Maria und Josef waren bei der Geburt des Kindes allein, aber dann bekamen sie plötzlich Besuch – eine ganze Gruppe von Hirten übermittelte ihnen die wunderbare Botschaft, die sie von den Engeln empfangen hatten:
Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Lukas 2,11
So ähnlich mag es für unsere jungen Studenten auch klingen, wenn mein Kollege Kader aus der Elfenbeinküste sie im Wohnheim besucht und ihnen von unserer Gemeinde berichtet. Bei uns finden sie eine geistliche Heimat und auch eine neue Familie – auf den familiären Aspekt legen wir Wert. Mit ihren Sorgen können sie zu Kader und mir kommen, aber auch zu Pastor Côme, ob es nun um geistliche Fragen geht, um das Eingewöhnen in die Kultur oder auch um punktuelle finanzielle Probleme: Wir wollen für sie da sein. So halten wir in der Gemeinde auch einen festlichen Weihnachtsgottesdienst mit einem guten Essen, natürlich am Abend, da Weihnachten hier ja ein normaler Arbeitstag ist und sie tagsüber in die Uni gehen müssen. Für manche ist das nicht einfach, aber mit der Unterstützung der Gemeinde ist es leichter zu bewältigen.
Wir möchten den jungen Leuten aber nicht nur eine familiäre Atmosphäre bieten, sondern wir möchten auch, dass sie bei uns geistlich wachsen und ein gesundes biblisches Fundament erhalten. Einige lernen bei uns zu predigen, Bibelstunden zu halten oder verantwortungsvolle Leitungsfunktionen zu übernehmen. Oft sind nicht wir es, die davon profitieren, sondern die Gemeinden auf der nächsten Etappe ihrer Durchreise, die meist zum selben Gemeindeverband gehören.
Gebetsanliegen
- Integration der Neuankömmlinge
- Gestaltung der Weihnachts- und Neujahrsfeier
- Der Dienst von Pastor Côme und die Suche nach einer vollen Stelle für ihn
