An Grenzen stoßen

Ray (Name geändert) fand ich als Fünfjährigen gemeinsam mit seiner Mutter auf einer Grababdeckung auf einem Friedhof in Manila lebend. In unserem Frauenhaus fanden Ray und seine schwangere Mutter eine Heimat. Wir kamen für alles Notwendige zum Leben auf, auch für die Krankenhausaufenthalte.

Ray ging später in die Grundschule, und im Laufe der Jahre stellte sich heraus, dass er eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) hat. Seine Mutter verabschiedete sich irgendwann und ging zum Arbeiten ins Ausland. Sie überwies jedoch nie Geld für ihre Kinder und verschwand schließlich ganz aus ihrem Leben.

So blieb Ray bei uns und konnte mithilfe finanzieller Unterstützung aus Deutschland seine Grund- und weiterführende Schulausbildung abschließen. Es war oft ein mühsamer Weg, aber Ray kämpfte sich tapfer durch. Eine seiner Lehrerinnen sagte mir einmal, dass er mit seiner freundlichen und umgänglichen Art vieles ausgleiche. Wie oft dabei wohl ein Auge zugedrückt wurde!

Und so schaffte er es auch bis ins College, wo er seinen Bachelor in Business Management abschloss. Das philippinische Schulsystem lässt seine Studierenden vieles – wenn nicht sogar alles – in Gruppenarbeiten machen. So hat Ray auch seine Bachelorarbeit in einer Gruppe gemacht, wo er hauptsächlich die Kontakte zu befragten Personen herstellte und sie befragte, während ein anderer in der Gruppe die schriftlichen Aufgaben übernahm.

Vor drei Jahren hat er seinen Bachelor gemacht und ist seither auf Arbeitssuche. Ein Versuch, in einer Bank zu arbeiten, ist fehlgeschlagen, weil er den ganzen Tag nur am Computer sitzen, lesen und schreiben musste. Nach sechs Monaten hat er aufgegeben. Dann hat er es als Küchenhilfe in einem Restaurant versucht, wo er dann so gestreßt war, dass er dauernd krank war. Auch hier hat er das Handtuch geworfen.

Wir fühlen uns an einer unüberwindbaren Mauer angekommen und wissen einfach nicht, wie es weitergehen soll. Er ist jetzt 26 Jahre alt und lebt immer noch daheim in unserer Familie zusammen mit vier anderen Pflegekindern.

Ray ist sehr gut in Mathematik und auch sehr verantwortungsvoll im Umgang mit Geld. Nebenbei hat er jetzt kochen gelernt und bringt sich so in die Familie mit ein.

Gebetsanliegen

Wir beten, dass er bald seine „Nische” im Leben findet. Einen Arbeitsplatz, an dem er sich wohlfühlt. Wo er das arbeiten kann, was seinen Gaben entspricht.

 

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