An Gottes Treue festhalten
... das ist das Einzige, was mir in dieser Coronazeit geblieben ist. Auf einmal ging gar nichts mehr: keine Besuche, kein Reisedienst und auch keine Einreise nach Japan! Das war schon komisch. Es fühlte sich an wie Loslassen, Abgeben, Stillstand … Doch „Auf keinen Fall aufgeben“ (Never give up!) – das war mein Motto. Und die üblichen Fragen „Wer ist schuld? Wer hat nicht aufgepasst? Warum ist das passiert?“ haben mich eigentlich nicht interessiert.
Wie kann ich die Zeit nutzen?
Stattdessen fragte ich mich: Was mache ich damit? Wie kann ich die Zeit nutzen? Was will Gott mir sagen? Jeden Tag aufzustehen und den geregelten Alltagsablauf beizubehalten – das war mir wichtig. Und da hinein bekam ich Kraft und Ideen, das in meinem Umfeld Nötigste und Beste zu tun. Ich hoffe, ich konnte das meinen Nächsten auch so vermitteln. Da waren zuallererst meine Japaner, die schon lange auf mich warteten. Im ersten Lockdown lernte ich durch unsere Gottesdienste die Zoom-Technik kennen. Ich war begeistert davon, sich über den Bildschirm sehen zu können. Das wollte ich gleich mit meinen Japanern ausprobieren. Und daraus ist ein Gruppeneffekt entstanden: Etwa 20 Gemeindeglieder lesen mit mir zusammen die Bibel und wir treffen uns regelmäßig über Zoom zum Bibelstudium – in kleinen Gruppen, um auf der persönlichen Ebene zu bleiben. Das spornt mich und die anderen an. Auch die Sprachklassen habe ich gleich auf Videomeetings umgestellt. Jetzt im zweiten Lockdown ist das für uns alle schon ganz selbstverständlich geworden. Not macht erfinderisch. Klar ist es über Video nicht dasselbe wie bei einer persönlichen Begegnung, aber es hilft, miteinander auf dem Weg zu bleiben. Und über 9.000 Kilometer Entfernung kann man sich so doch nahe sein. Das ist ein echter Segen.
Freude auf echte Begegnungen
Das Vertrauen in die Treue Gottes, wenn sonst keiner bei einem ist, hat sich gelohnt. Und ein Ende ist abzusehen – vielleicht noch bis zum Sommer. Auf jeden Fall bin ich dankbar, dass Er jeden Tag im Lockdown dabei ist. Auch habe ich neu begriffen, wie wichtig echte Begegnungen sind. Ich will mich auf die Zeit freuen, wo wir uns alle wieder frei besuchen dürfen. „Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!“ (Ps 27,14).
